Jahresrückblick 2024

Mein Garten ist inzwischen wieder einmal – bis auf letzte Restarbeiten - in seiner wohlverdienten Winterruhe. Die Kartoffeltürme sind abgeräumt und das Erdbeerbeet ist dick gemulcht, es ist das einzige Erdbeet, das ich in diesem Jahr hatte. Alle übrigen Gemüse, vor allem Wintergemüse wie Spinat, Porree, Feldsalat, Mangold, Sellerie, Grünkohl und Raddicchio, sind auf die sechs Hochbeete verteilt. Alle welken Pflanzenteile habe ich an Ort und Stelle belassen und auch das Laub der vielen Bäume und Sträucher, bis auf den Laubhügel über der Igelburg für Igel & Co., verbleibt auf der Wiese und auch auf den Wegen. Die Zahl der übers Jahr zu beobachtenden Tier in meinem Garten wächst beständig, Igel, Molche, alle möglichen Arten von Wildbienen und Hummelarten, kleine Zauneidechsen, diverse Libellenarten, verschiedene Spinnen- und Käferarten-und auch Spitz-, Haus- und sonstige Mäuse konnte ich immer wieder beobachten. Schnecken gab es zudem gratis dazu, und das in großen Mengen und obwohl ich super viele Vögel im Garten habe. Nicht nur die Vögel freuen über die Wildnis, denn so finden sie überall die Samen von Stauden und anderen Pflanzen, und auch die Insekten unter dem Laub und in den vielen Pflanzenresten dienen ihnen als Nahrung. Außerdem werden sie wöchentlich einmal an etlichen Futterstationen der verschiedensten Arten gefüttert, denn ich habe noch weitere Vogelfutterstationen in den Zweigen der Sträucher und Bäume verteilt, die vom Wintergarten aus zu sehen sind, so dass wir beim winterlichen Frühstück die Vögel beobachten können, die an diesen vielen Futterstellen fast täglich sich an den fettreichen Saatenmischungen bedienen. Täglich freue ich mich über den Anblick der Meisen, Goldhähnchen, Dompfaffen, Spatzen, Finken, Amseln, Grün- und sogar Schwarzspechte, Ringeltauben, Krähen und Elstern. Besonders mag ich die vielen Rotkehlchen, und auch die Distelfinken, die die Karden anfliegen, die natürlich auch stehen bleiben durften. Es gibt auch noch Beeren für sie alle hier, Schlehen, Schneebeeren, Hagebutten, Hartriegel, Weißdorn, Vogelbeeren, Callicarpa u.v.m. Gestern erst habe ich bei 11 Grad noch zwei Hummelköniginnen beobachten können auf der Suche nach einem Winterunterschlupf. Der im Garten angefallene Astschnitt und Reisig ist wieder an den verschiedenen Totholzstellen im Garten aufgeschichtet worden, damit dort Käfer&Co einen Unterschlupf finden. Etliche Bäume sind stark beschnitten worden, um das Sonnenlicht besser ausnutzen zu können. Bis zum Frühjahr darf der Garten mit all seinen Lebewesen nun ruhen.

Wir leben, bis auf die frischen Wintergemüse, von Gelagertem (Kürbisse, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Äpfel usw.), Gedörrtem (Äpfel, Tomaten, Pilze, Teekräuter, Kräutersalz- und Lavendelzucker-Mischungen usw.), Eingekochtem (Rhabarber- und Obstkonfitüren & Chutneys), Fermentiertem (Essige, Pickles & Co,) Angesetztem (Quitte, Beerenobst, Honig und Walnüsse) und Tiefgefrorenem (Frischobst, Beeren, Kräuter und Gemüse jeglicher Art). Unser Honig versüßt die Christstollen und jegliches Gebäck aus der Weihnachtsbäckerei, die ich inzwischen abgeschlossen habe. Die Kühltruhe ist mit in unserem Holzofen selbstgebackenen Broten, Brötchen und Kuchen aufgefüllt. Die Überschuss-Reste aus dem Bienenwachs unserer Bienenstöcke, die nicht für die Imkerei benötigt werden, hat mein Mann zu Kerzen verarbeitet. Die Bienen waren sehr fleißig, und ich hatte eine großartige Ernte. Wir werden gut über den Winter kommen, wofür ich sehr dankbar bin.

Wir hatten auch in diesem Jahr wieder gut besuchte Veranstaltungstermine im Rahmen der Offenen Gärten, und mit den Einnahmen daraus und auch aus den Permakultur-Vorträgen und –kursen konnte ich eine große Menge Bio-Saatgut für das nächste Jahr und auch Verbrauchsmaterialien für die nächste Saison für den Garten kaufen. Außerdem konnte ich in diesem Jahr selbst an zwei Weiterbildungen und Permakultur-Veranstaltungen (72 Std,-Design-Kurs) als Lernende teilnehmen, verteilt auf 2x10 Tage im August und September. Es waren harte Wochen, viel Input, viel körperliche Arbeit, und fruchtbarer Austausch mit Gleichgesinnten. Aber auch das war ein Ergebnis: das Nachdenken über die derzeitigen Gegentrends zu Artenschutz und Ökologischem Handeln in unserer Gesellschaft macht nicht nur mich traurig. Sorge macht mir insbesondere, dass die Bestrebungen des Landes NRW, hier bei uns am Niederrhein den „Reichswald“ als Nationalpark auszurufen, von der Bevölkerung massiv bekämpft werden. Wir haben hier fast ausschließlich bäuerliche Strukturen rund um uns herum, und es macht mir Angst und macht mich traurig und wütend zugleich, dass sich die Menschen so massiv dagegen aussprechen, ein verhältnismäßig kleines Gebiet (51qkm) als Staatsforst für Artenschutz und Wildnis zu reservieren, da sie befürchten, dass dies Einschränkungen für ihr persönliches Leben mit sich bringen wird. In unserem 9ha großen Waldstück neben der Bienenwiese bleibt es jedenfalls wild. Dort haben wir in diesem Jahr der Natur völlig ihren Lauf gelassen.

Auch der Holzplatz und der Gerätschuppen und die Werkstatt sind nun aufgeräumt. Mein Mann hat letzte Woche einen wunderbaren Kranz aus Tannen- und Nadelbaumzweigen für die Adventszeit gebunden, und der Garten ist weihnachtlich geschmückt mit Teelicht-Gläsern und in Schalen gepflanzten weihnachtlichen Helleboruspflanzen, deren Blüten von Dezember bis in den Spätwinter hinein der Kälte zu trotzen vermögen. Überall stehen noch die letzten Herbstastern und trotzen den ersten leichten Nachtfrösten, und noch letzte Rosenblüten, die eisüberkrustet immer noch in Blüte stehen, bilden farbige Tupfer im winterlichen Grau.

Meine Tage sind nun mit anderen Tätigkeiten als Gartenarbeit ausgefüllt. Die Weihnachtsgeschenke sind fast alle besorgt, und das ganze Haus ist inzwischen weihnachtlich dekoriert, und mit Kerzen und Lichterketten ausgestattet. Außerdem arbeite ich wie immer an einem besonderen Weihnachtsquilt, der noch fertiggestellt werden soll. Und im nächsten Frühjahr, wenn der Garten ruft, kann ich mich in dem beruhigenden Gefühl wiegen kann, dass drinnen alles erledigt ist. Es gibt immer etwas zu tun.



Viele Grüße
Dr. Daniela Dienst-Loth