Jahresrückblcik 2025
Es ist Mitte November, und mein Garten ist immer noch nicht in seiner wohlverdienten Winterruhe. Es gibt noch einiges zu tun, aber das Wetter hier am Niederrhein macht mir einen Strich durch die Rechnung. Heute, am 18.November 2025, hat es das erste Mal geschneit. Aber der Schnee ist nicht liegengeblieben, dafür ist es mit zwischen 2 und 5 Grad doch noch zu warm. Zwar sind die Beete abgeräumt und gemulcht, auch das Erdbeerbeet ist bereits seit Wochen mit einer dicken Laubschicht gemulcht, aber viele letzte „in-Stand-Haltungs-Arbeiten“ sind noch nicht abgeschlossen. Also werde ich morgen die letzten Fruchtgemüse, allen voran Paprika und Chili-Pflanzen, aus dem Gewächshaus, wo sie bisher die Herbstsonne genießen konnten, ins Winterquartier räumen. Und auch das Pflaster einiger Wege muss noch von Blättern und Kräuterausläufern ebenso wie von Gras zwischen den Fugen gereinigt werden, und schließlich werde ich die Feige, die ich nach drei Jahren im Kübel in diesem Frühjahr an den sonnigsten Platz des gesamten Areals ausgepflanzt habe, winterfest mit einer dicken Blätter. und Mulchschicht schützen.
Unser Igel hat sich dieses Jahr erfreulicherweise mehrfach gezeigt, so dass wir sicher sein konnten, dass er nach wie vor bei uns wohnt. Es gibt mehrere Laubhügel und Totholzstapel, wo er sein Winterquartier ordentlich einrichten kann. Aber noch ist er aktiv, das Schüsselchen mit Futter, das ich allabendlich rausstelle, wird noch angenommen. Überhaupt hat die Zahl der übers Jahr zu beobachtenden Tier in meinem Garten beständig zugenommen, neben dem Igel konnte ich Molche, Frösche und Kröten, alle möglichen Arten von Wildbienen und Hummelarten, kleine Zauneidechsen, diverse Libellenarten, verschiedene Spinnen- und Käferarten-und auch Spitz-, Haus- und Feldmäuse bei meinen Arbeitseinsätzen im Garten immer wieder beobachten. Die im Frühjahr 2025 eingerichtete Eidechsenburg macht mir sehr viel Freude, auch wenn ich bislang noch keine Eidechsen entdecken konnte, die dort wohnen. Die Zahl der Schnecken hat sich in diesem Jahr erfreulicherweise in Grenzen gehalten, und meine Gemüseernte ist weitestgehend von Fraßschäden verschont geblieben, mit einigen wenigen Ausnahmen.
Nach wie vor gibt es eine große Zahl an Vögeln im Garten, sie werden wöchentlich einmal an etlichen Futterstationen der verschiedensten Arten gefüttert, die vom Wintergarten aus gut zu sehen sind, so dass wir beim winterlichen Frühstück die Vögel beobachten können, die an diesen vielen Futterstellen fast täglich sich an den fettreichen Saatenmischungen bedienen. Zudem gibt es auch in diesem Jahr überall noch Fruchtstände und Beeren für sie alle hier, Schlehen, Schneebeeren, Hagebutten, Hartriegel, Weißdorn, Vogelbeeren, Callicarpa u.v.m. Bis zum Frühjahr darf der Garten mit all seinen Lebewesen nun ruhen.
Meine Obstbaum-Lebensgemeinschaften aus den Vorjahren habe ich fortgeführt, rund um die Obstbäume auf der ehemaligen Wiese sind inzwischen große Rondelle entstanden und gut eingewachsen. Rund um die Obstbäume habe ich Rhabarber und Beinwell, Pimpinelle, Dill, Kapuzinerkresse, Wermut, Schafgarbe, Ringelblume, Dost und andere Kräuter angesiedelt und auch 2-3 Beerensträucher pro Baum gepflanzt, dazwischen kommen in großer Zahl von selbst eingewanderte Traubenhyazinthen, die im Frühjahr immer ein wunderschönes Bild ergeben und sich stetig durch Selbstaussaat vermehren und durch die Ameisen weitergetragen werden. Außerdem stehen am Rand der Rondelle von mir selbst vermehrte Salbeistecklinge, die jetzt im zweiten Jahr auch schon ganz beachtlich gewachsen sind. Aufgrund der vielen stark duftenden Kräuter hat die Zahl der Obstschädlinge doch spürbar abgenommen, und meine Äpfel sahen schon lange nicht mehr so gut aus wie in diesem Jahr.
Und ein weiteres Highlight war in diesem Jahr mein neues Gewächshaus, klein aber wunderschön bietet es Platz für Tomaten, Paprika und Chili-Pflanzen, die ich dort in Töpfen kultiviere.
Außerdem habe ich in diesem Jahr erstmals mit Bokashi gearbeitet, ich habe mir zwei 30Liter Fässer besorgt und befülle diese abwechselnd mit Kaffee-Satz, Teebeuteln (aus meinen eigenen Kräutern) und Bio-Abfall aus der Küche. Verteilt wird der Bokashi dann nach der Fermentierphase in den Hochbeeten, gemischt mit Rohkompost aus den Kompostmieten, und zwar immer dann, wenn ich ein Hochbeet auffüllen muss, weil das Substrat zu weit abgesackt ist. Es ist wirklich ein deutlicher Unterschied zu den Vorjahren zu beobachten, die Pflanzen in den Bokashi-Hochbeeten sind schneller aufgelaufen, waren deutlich wuchsfreudiger und haben mehr Ertrag geliefert als dort, wo (noch) kein Bokashi verteilt worden war. Grund genug für mich, dies auch im nächsten Jahr so fortzuführen.
Meine Ernte war dieses Jahr phänomenal. Die riesige Erdbeerernte war ebenso erfreulich wie höchst willkommen, und die Apfel- und Quittenbäume der Obstwiesen haben so viel Obst getragen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Wir haben einen Großteil davon zur Mosterei gebracht und haben dann 24 Kisten mit Apfel- und Quittensaft (gemischt) wieder zurück bekommen, unser Vorrat für den Winter. Die Kartoffeltürme sind schon lange abgeräumt und haben etliche Kilo Kartoffeln für die Kartoffelkiste ergeben, eine einzige Süsskartoffel-Pflanze hat 4 kg der Knollen geliefert, und etliche Hokkaidos und Butternutkürbisse stehen aufgereiht in der Vorratsecke und warten auf ihre Verarbeitung. Alle übrigen Gemüse, vor allem Wintergemüse wie Porree, Feldsalat, Mangold, Sellerie, Grünkohl, Endivien und Raddicchio, sind auf die sechs Hochbeete verteilt, davon werden wir den Winter über ernten können.
Wir leben, bis auf die frischen Wintergemüse, von Gelagertem (Kürbisse, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Äpfel, Walnüsse usw.), Gedörrtem (Äpfel, Tomaten, Pilze, Teekräuter, Lavendel- und Potpourrimischungen, Kräutersalz- und Lavendelzucker-Mischungen usw.), Eingekochtem (Rhabarber- und Obstkonfitüren & Chutneys), Fermentiertem (Essige, Pickles & Co,) Angesetztem (Quitte, Beerenobst, Honig und Walnüsse) und Tiefgefrorenem (Frischobst, Beeren, Kräuter und Gemüse jeglicher Art). Unser Honig versüßt die Christstollen und jegliches Gebäck aus der Weihnachtsbäckerei, die ich gerade erst begonnen habe. Die Kühltruhe ist mit in unserem Holzofen selbstgebackenen Broten, Brötchen und Kuchen aufgefüllt. Wir werden gut über den Winter kommen, ohne auf konventionell erzeugte landwirtschaftliche Produkte zurückgreifen zu müssen, wofür ich sehr dankbar bin.
Die Überschuss-Reste aus dem Bienenwachs unserer Bienenstöcke, die nicht für die Imkerei benötigt werden, hat mein Mann wieder zu Kerzen und Teelichtern verarbeitet, allerdings war es kein gutes Bienenjahr, die Angriffe der invasiven Asiatischen Hornisse haben hier am Niederrhein dramatisch zugenommen, und der Bestand an Bienenvölkern ist fast überall gefährdet.
In unserem ein Hektar großen Waldstück neben der Bienenwiese bleibt es jedenfalls wild, auch wenn wir dort einige große Birken in diesem Frühjahr herausgenommen haben, um das Holz nutzen zu können. Außerdem habe ich einen etwa 300qm großen Bereich von Schösslingen, Wild- und Aufwuchs ebenso wie von Brombeeren befreit, um dort evtl. im Verlauf der nächsten 2-3 Jahre einen Waldgarten anlegen zu können. Es ist ein Experiment, und ich werde im weiteren Verlauf hier in der Hortusgruppe weiter berichten. Abgesehen davon haben wir in dem Wald in diesem Jahr der Natur völlig ihren Lauf gelassen.
Ich hatte auch in diesem Jahr im Mai und Juni wieder fünf gut besuchte Termine meines Permakultur-Gartens im Rahmen der Veranstaltungen der Offenen Gärten am Niederrhein. Meine subjektiven Beobachtungen der Besucherstruktur zeigen, dass offenbar immer mehr „junge“ Familien sich für das Thema zu interessieren beginnen und Fragen stellen rund um die Permakultur. Ich bin nicht sicher, ob man da schon von einem Trend sprechen kann, aber das ist mir in diesem Jahr wirklich mehrfach aufgefallen. Auf jeden Fall finde ich diese Entwicklung sehr erfreulich und bin gespannt, ob sich das im nächsten Jahr fortsetzen wird. Im Juli konnte ich selbst einen sehr schönen Permakultur-Garten in Gratsch bei Meran besuchen: „Pflanz Gutes“, so heißt der Garten, wird von Elisabeth Kössler mit viel Liebe und Engagement geführt, und ist wirklich sehenswert. Sie bietet Führungen, Kurse und Workshops an und ich habe natürlich auch die Gelegenheit genutzt, mich mit einem umfangreichen Saatgut-Paket zu versorgen und dieses mit nach Hause zu nehmen. Im nächsten Jahre werden also Südtiroler Sorten verschiedener Tomaten, Zucchini, Kürbisse und Melonen hier am Niederrhein gesät – ein Experiment, über das ich dann hier im Forum gerne berichten werde.
Es war ein sehr arbeitsreiches Gartenjahr, und deshalb freue ich mich in diesem Jahr wirklich sehr auf die „ruhigen“ Monate Dezember und Januar, aber ich weiß auch, dass ich im nächsten Frühjahr, spätestens im Februar, wenn der Garten ruft, ich dann doch wieder mit Elan und Tatendrang in das nächste Gartenjahr starten werde, und ich bin jetzt schon gespannt, was es alles bringen wird. Denn im Garten gibt es immer etwas zu tun und der Garten ist niemals „fertig“.
Viele Grüße
Dr. Daniela Dienst-Loth